Glossar

Akustik & Vorhang

Akustikvorhang

AKUSTIKVORHANG KOMPAKT

SUBSTANZ
TYPISCH
AUF JEDEN FALL

AUF KEINEN FALL
PFLEGE

gewebte Fläche, ein- oder mehrlagig
Schallaufnahme & Schalldämpfung
Verbesserung der Raumakustik
und der Sprachwahrnehmung
nicht praktikabel für tiefste Frequenzen
je nach verwendetem Material

 

Der Begriff Akustik meint die Beschaffenheit von Schall und seiner Ausbreitung. Der Hörsinn ist zentral an allen Wahrnehmungsprozessen beteiligt. So überrascht es nicht, daß wir Menschen uns schon lange Zeit dafür interessieren und diese Phänomene studieren. Schon Chrysippos von Soli (281–208 v. Chr.) hat eine Analogie von Wellen im Wasser und Wellen in der Luft vorgeschlagen.

Die frühen griechischen Überlegungen basierten auf konkretem Anwendungsinteresse: das Amphitheater von Epidauros auf der Halbinsel Peloponnes wurde etwa 330 vor Christus erbaut. Nach einem Umbau bot es letztendlich Platz für über 12.000 Besucher – und das bei einer Akustik, die ganz ohne elektrische Verstärkung und Lautsprecher funktionieren mußte.

 

Schallereignisse

 

Eine weitere grundlegende Entdeckung zur Akustik machte Leonardo da Vinci (1452–1519). Er kam der Tatsache auf die Spur, daß Luft als Vehikel für Schall notwendig ist. Sowie in einer Schlußfolgerung daraus, daß Schall eine Geschwindigkeit hat und daß diese endlich ist. In einer langen Phase munteren Experimerimentierens haben viele Forscher die Frage nach der Schallgeschwindigkeit bewegt. Meist durch die Messung der Zeitspanne zwischen optischem und akustischem Signal eines einzigen Vorgangs. Beliebt waren hier Kanonenschläge, Blitz der Zündung und Donner der Explosion boten sich für diese Beobachtungen wohl einfach an.

Heute sind die Fragestellungen in der Raumakustik immer noch sehr ähnlich. Es geht um die Auswirkung von den baulichen Gegebenheiten eines Raumes auf die ihn ihm stattfindenden Schallereignisse. Dabei zentral ist einerseits das menschliche Gehör in seinen besonderen Eigenschaften und dazu zählen auch ganz subjektive Hörgewohnheiten (Psychoakustik). Andererseits liegt der Fokus auf die Akustik bei der Wahrnehmung von Sprache.

 

Der akustische Raumeindruck

 

Am menschlichen Hören sind im Wesentlichen drei einzelnen Schallbereiche beteiligt:
– Der Direktschall: alle Frequenzen, welche das Ohr unvermindert erreichen. Also ohne Brechung, Behinderung oder Spiegelung.
– Die frühen Reflexionen: Schall der zwar von Oberfläche reflektiert wird, dabei aber schnell beim Hörer ankommt. In der Regel also innerhalb von 15 Millisekunden. Diese frühen Reflexionen können vom menschlichen Gehör noch in ihrer Richtung bestimmt werden. Daher tragen sie ganz wesentlich zum Raumeindruck bei und bestimmen, wie ein Raum erlebt wird.
– Der Nachhall: alle kontinuierliche Reflexionen von Schallwellen. Damit ist aber kein Echo gemeint, bei dem der Schall so verzögert ist, daß er als eigenes Ereignis erscheint (Widerhall). Der Nachhall wird von der Beschaffenheit der Materialien bestimmt. Der Rückwurf der Schallwellen kann modelliert werden, beispielsweise durch Absorptionsmöglichkeiten und -eigenschaften.

Alle drei Ebenen ergeben zusammen den Schallpegel. Raumakustische Gestaltung zielt darauf ab, das Klangerlebnis eines Raumes seinem Nutzungszweck anzupassen. Dabei gibt es grundsätzlich drei Benutzungsanforderungen:
Wenig eigener Einfluss des Raumes, die Raumgröße soll nicht Teil der Wahrnehmung sein: in Aufnahmeräumen wie etwa Tonstudios
Hohe Sprachverständlichkeit: etwa in Unterrichtsräumen, Vorlesungsälen, Theater
– Ein großes Erlebnis des Klangraumes selbst: in Konzertsälen

 

Akustik im Alltag

 

Wir verbringen viel Zeit in geschlossenen und gebauten Lebensräumen. Daher ist es lohnend, diese so zu gestalten, daß ein Wohlbefinden möglich ist. Alle menschlichen Sinne sind am Befinden beteiligt. Lärm und störender Schall können erheblichen Stress verursachen, selbst wenn die Wahrnehmung unterschwellig bleibt. Dies gilt sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld. Störende Hintergrundgeräusche erschweren die Kommunikation, unerwünschter Schall verschlechtert das Verstehen von Sprache in Gespräch oder Vortrag. Immer verbraucht eine schwierige Akustik zusätzliche Energie in der Aufmerksamkeit des Hörenden. Besonders beim Musikgenuss spüren wir solche Effekte direkt: das Erleben verliert sofort an Intensität.

 

Gestaltung der Schallreflexion

 

Die optimale Nachhallzeit eines Raumes ergibt sich je nach Verwendungsart. Auch die Raumgröße spielt hier eine Rolle. Prinzipiell gibt es zwei Wirkungsrichtungen:

– Bei einer zu langen Nachhallzeit werden bei Sprache die nachfolgende Silben vom langen Abklingvorgang der vorherigen Silben verdeckt. Die Schallwellen überlagern sich, das mindert die Verständlichkeit. Gleiches passiert bei Musik, durch die verschmolzenen Klänge entsteht ein „schwammiger“ musikalischer Eindruck.
– Bei einer zu kurzen Nachhallzeit wird die Raumakustik als „trocken“ bezeichnet. Der Raum trägt den Schall nicht ausreichend. Der verminderte Schalltransport führt dazu, daß in äußeren Raumbereichen, wie etwa hinten im Saal, nur eine geringe Lautstärke erreicht wird.

 

Dämmung & Dämpfung

 

Die Stressreduzierung durch weniger Nebengeräusche und die Verbesserung des Raumklanges sind also im Fokus wenn es um Sprachverständlichkeit geht und um das Wahrnehmen von Audio-Inhalten. Mit einer Schalldämmung kann eine akustische Trennung von Räumen untereinander oder nach außen ermöglicht werden. Die Dämmung arbeitet mit der Verhinderung von Schallübertragung. Mit einer Schalldämpfung wird die Akustik innerhalb eines Raumes verbessert. Die Dämpfung arbeitet mit der Absorption (dem Aufnehmen) von Schallwellen.

Die Ausbreitung von Schall kann je nach seiner Wellenlänge von unterschiedlichen Materialien unterschiedlich gut absorbiert werden. Durch das Aufnehmen der Welle wird die Energie des Schalls gemindert bzw. gewandelt. Der Schallabsorptionsgrad gibt das Verhältnis an zwischen aufgenommener und reflektierter Schallenergie im Bezug auf eine bestimmte Frequenz. Eine professionelle raumakustische Beratung setzt mit der Schallmessung an dieser Stelle an.

 

Verschiedene Raumnutzungen ermöglichen

 

Die Anforderungen für verschiedene Nutzungszwecke innerhalb eines Raumes sind kaum miteinander vereinbar. Aus diesem Grund ist es schwer möglich einen universellen Akustikraum zu schaffen. Hier bietet die Verwendung von Vorhängen einen großen Vorteil: je nach Raumnutzung kann die Akustik flexibel abgestimmt werden.

Vorhänge sind flexibler als bauliche Veränderungen und vielfältig einsetzbar. Je nach aufgezogener Vorhangfläche wird die Nachhallzeit eines Raumes beeinflusst und die Schallübertragung gemindert. Dicke voluminöse Stoffe mit einer offenen Oberfläche absorbieren tiefere Frequenzbereiche, dies ist günstig für den menschlichen Stimmbereich. Dadurch werden die höheren Frequenzen betont, welche für die Sprachverständlichkeit wichtig sind. Ein frei hängender Vorhang ermöglicht sogar Effekte für einen reduzierten Geräuschpegel auf beiden Raumseiten.

 

Vorhang & Akustik

 

Ein Akustikvorhang ermöglicht die Verringerung der Nachhallzeit. Ein Schallschutzvorhang sorgt für die Verringerung von Lärm an sich. Besonders Verkehrslärm oder Straßenlärm der durch alte oder geöffnete Fenster und Türen tritt, kann mit Hilfe von Schallschutzvorhängen gemindert werden. Es ergibt sich eine Kombination der absorbierenden und dämmenden Eigenschaften von Gewebeflächen.
Ein Lärmpegel der durch neue Türen oder Fenster dringt liegt wahrscheinlich in einer so tiefen Frequenz, daß ein Vorhang ihn nicht wesentlich verändern kann. Solch ein Dröhnen von Verkehrslärm benötigt einen Breitbandabsorber, ebenso wie bassige Frequenzen von innerhalb des Raumes. Hi-Fi-Freunde kennen diese Absorber als Bassfalle.

 

Über den Vorhang hinaus

 

In der Akustikgestaltung werden oftmals unterschiedliche Ausstattungen kombiniert: Deckenabsorber mit Vorhängen, Deckensegel mit akustischen Wandelementen – immer in genauer Ausrichtung auf die Raumbeschaffenheit und die beabsichtigte Raumnutzung. Deshalb sind die Einsatzgebiete auch so breit wie die menschlichen Lebensräume: private Wohnräume mit wenig Absorptionsflächen ebenso wie Gasträume und Bars, Restaurants, Konferenz- und Seminarräume, Großraumbüros, Praxen, Verkaufsräume, Flure und Treppenhäuser, Empfangsbereiche sowie selbstverständlich Schulen und Kindergärten.

Ein Akustikvorhang oder Schallschutzvorhang wird in individuellen Maßen gefertigt und ist in paßgenauer Ausstattung einlagig oder mehrlagig. Auch die verwendeten Materialien werden auf die zu erzielenden Effekte abgestimmt.

Eine funktionierende Raumakustik ist die Voraussetzung für entspannte Unterhaltung und effizientes Arbeiten. Hochwertige Akustikvorhänge sind eine einfache Anschaffung, welche die Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit in Arbeits- und Unterrichtsräumen verbessert und gleichzeitig die Sprachverständlichkeit erhöht.

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