Glossar

Heimkino:
Die Anfänge

Wir lieben die leuchtenden Bilder!

Heimkino

 

Leuchtende Bilder auf eine Fläche geworfen – der Gewinner unter den verschiedenen Arten von Medien. Schattenspiele zur Unterhaltung waren wohl unsere ersten Schritte mit experimentellen Medien und das bereits in der menschlichen Urgeschichte. Diese frühen Leuchtbilder waren zwar bewegt, jedoch noch ohne ein entscheidendes Merkmal: sie funktionierten noch ganz ohne komponierten Bildausschnitt und waren stattdessen ein raumgreifendes Ereignis. Das Schattentheater, welches sich über die kommenden langen Zeitspannen im asiatischen Raum kultivierte, benutzte dann bereits einen definierten Screen, in dem das Hintergrundlicht einen optischen Rahmen für Aufmerksamkeit und Handlung definiert.

 

Magische Laternen

 

Die Magische Laterne von Athanasius Kircher
aus: S. H. Gage & H. P. Gage, „Optic Projection: Principles, Installation and Use of the Magic Lantern, Projection Microscope, Reflecting Lantern, Moving Picture Machine“, Comstock Publishing Company (1914) S. 676

Im europäischen Kulturkreis bahnten sich Kamera und Projektor zunächst einen gemeinsamen Weg. Die Camera Obscura ist ein abgedunkelter Aufbau, in dem eine kleine Öffnung das eintretende Licht lenkt und eine gegenüber liegende Fläche diese Strahlen wiedergibt. Mit dem Licht erscheint auch ein Motiv als Abbild dessen, was auf der anderen Seite der Öffnung tatsächlich im Raum existiert. Allerdings steht dieses Bild auf dem Kopf – eine große Motivation für den menschlichen Gestaltungsdrang. Es beginnt daraufhin die Ära der Linsen und Spiegel.

Ein Antrieb für die Erforschung dieser optischen Techniken lag im Bedürfnis des Menschen, Naturphänomenen immer besser verstehen zu wollen. Die neu entstehenden Geräte enthielten jedoch von Beginn an auch ein großes Unterhaltungspotential. In faszinierender Nachbarschaft mündeten Erkenntnisse aus „magischen“ Lichtperformances in der Grundlagenforschung für die Entwicklung des Mikroskops. Die Vorführungen von Lichtbildern traf den Geschmack eines breiten Publikums. Ebenso breit waren die Inhalte, welche durch die neuen Medien transportiert wurden – Referenzen an das alltägliche Leben, Vorführungen neuer Erkenntnisse aber auch gänzlich fantastische Figuren und Effekte.

 

Öffentliche und private Vorführungen

 

Bioscop Projektor

Werbeplakat für Filmvorführungen der
Gebrüder Skladanowsky
aus: Birett, Herbert, „Lichtspiel. Das Kino in Deutschland bis 1914“ (1994)

Durch all diese Zeiten hinweg wurden solche Veranstaltungen großen Zuschauergruppen präsentiert. Der erste kommerzielle Film überhaupt wurde im Berliner Varieté-Theater Wintergarten vorgeführt. Daneben existierte jedoch auch das Bedürfnis, solche Bildwelten im eigenen privaten Raum zu genießen. So gab es parallel zur Entwicklung von Filmkameras eine vielfältige Entwicklung von Projektoren. Filmisches Erleben konnte damit sowohl in eigens gebauten Lichtspielhäusern, als auch als mobiles Kino auf dem Land und eben auch als privater Filmgenuss erlebt werden.

Die Methode, Bilder mit Licht auf eine Darstellungsfläche zu werfen, erhielt erst Konkurrenz durch die selbstleuchtende Bildfläche. Die Ankunft des Monitors war langsam aber beständig. Die ersten Fernsehgeräte aus den späten 1920ern waren experimentell und keine Verkaufsschlager.  Außerdem benötigten dieser Empfängergeräte eine gute Auswahl an gesendetem Input. Ab den 1950ern kamen die Fernsehübertragungen in Schwung, ab den 1960ern dann sogar in Farbe. Dies etablierte die Geräte für den Fernsehempfang immer weiter in den privaten Wohnräumen. In den 1970ern kamen Speichermedien dazu, welche die Bildschirme über den live gesendeten Inhalt hinaus autonomisierten. Die neuen Bildmedien erhielten Stück für Stück die Freiheit einer flexiblen und persönlichen Programmgestaltung.

 

Das digitale Heimkino

 

Projector Swissair Boeing

Ein Filmprojektor in einer Boeing 747 der Swissair wird vorbereitet (1972)
Bild: Swissair, Wolfensberger Andreas

Mit der Umstellung auf digitale Speicher- und Übertragungsformate schrumpfte die Technik für eine hochwertige und professionelle Filmvorführung auf Wohnzimmerformat. Die persönlichen Wünsche für den filmischen Genuss können heute individuell realisiert werden. Dabei gibt es aktuell eine Koexistenz von Bildschirm und Projektion. In jedem Fall erhält die Ebene des Tons große Aufmerksamkeit. Zum bewegten Bild hat sich ein Mehrkanal-Tonsystem entwickelt, welches das visuelle Erleben vielschichtig bereichert.

An dieser Stelle des Zeitstrahls wollen wir einsteigen und in der „Heimkino“-Serie wesentliche Aspekte dieses Themas erforschen. Wir betrachten besondere Lösungen bei Heimkino-Enthusiasten, allgemeine Vorlieben beim Bildgenuss im Alltag und gehen der Frage nach, was denn los ist in unseren Flimmerräumen. Dabei sprechen wir mit etablierten Anbietern aus der Szene, machen uns jedoch auch auf zu den aktuellen Pionieren der weiteren Entwicklung.

 

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