Glossar

Fachkunde: Molton

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Molton

MOLTON KOMPAKT

GEWEBE
TYPISCH
AUF JEDEN FALL
AUF KEINEN FALL
PFLEGE

schwere Leinwandbindung, beidseitig geraut
weich, voluminöse Oberfläche
vermindert Schall, schluckt Licht
glänzt nicht
je nach Material, Färbung und Ausrüstung

 

Molton etymologisch

Friedrich Schmitthenner: Kurzes deutsches Wörterbuch für Etymologie (1837)

Molton ist der Name für ein Gewebe, welches von beiden Seiten aufgeraut ist. Daher rührt auch der Name – übernommen vom französischen „Molleton“ ist darin noch das lateinische „mollis“ gespeichert und das heißt „weich“. Im deutschen noch gut bekannt durch „mollig“ und genau das ist auch Molton.

Dabei ist er nicht alleine, die weitere Bearbeitung durch Aufrauen nach dem Weben gibt es auch bei anderen Stoffarten. Jedoch nicht alle sind eben geplüscht durch eine starke Rauung auf beiden Stoffseiten. Molton ist das, aber ebenso ist es der Biber und oft auch der Flanell. Diese drei Stoffarten sind also verwandt in der Oberfläche, sie unterscheiden sich dabei im Gewicht des ursprünglichen Gewebes. Flanell liefert die leichtesten Qualitäten bis hin zu mittelschwerem Stoff, er ist oftmals auch nur auf einer Seite geraut und dann nach innen weich und außen kompakter. Der Biber beginnt im Gewicht, wo der Flanell aufhört. Diese Stoffart ist sehr gut bekannt als Bettwäsche für die kalte Jahreszeit. Molton schließt dann an als schwerste Gewichtsklasse.

 

Flechtbild Leinwand

Alles in einer Webart

 

Alle drei Gewebe sind in Leinwandbindung hergestellt, nur der Flanell findet sich auch mal in Köperbindung. Beim Molton entsteht oft eine zusätzliche Dichte durch Doppelschusstechnik. Das heißt, in die gespannten Kettfäden wird beim Weben nicht nur ein Schußfaden gelegt sondern zwei. Ein Oberschuss und ein Unterschuss umschließen den Kettfaden jeweils seitenwechselnd. Diese dichte Weboberfläche kann dann besonders stark geraut werden.

Nützliche Eigenschaften

 

Das Ergebnis ist weich, plüschig und voluminös. Aber was habe ich davon eigentlich? Weich ist selbstverständlich angenehm auf der Haut, wie beim Flanellhemd oder bei Bettwäsche aus Biber. Plüschig bedeutet natürlich auch, daß der Stoff eine große Oberfläche hat, die auch noch geöffnet ist in ihrer strukturellen Beschaffenheit. Der Gedanke an Watte ist hier angebracht, denn plüschig ist bedeutsam für die Saugfähigkeit. Viele Babylätzchen oder Wickelunterlagen sind daher aus gerautem Stoff. Diese Herstellungstechnik zusammen mit einem saugfreudigen Rohstoff wie Baumwolle ist ideal zum Auffangen von Flüssigkeiten.

Warum findet sich der Molton aber so häufig als Vorhang? Die geöffnete Oberfläche schluckt eben nicht nur Flüssiges sondern auch Schall. Trifft eine akustische Welle auf die stark bewegte Oberfläche von Molton, so wird sie einerseits nicht gut reflektiert sondern gebrochen und diffus. Andererseits kann ein Teil des Schalls in die Oberfläche sinken und von der Gewebestruktur dahinter geschluckt werden. Je dicker und dichter dieses ist, umso mehr bleibt darin hängen. Das gleiche gilt auch für Lichtwellen. Je schwerer das Flächengewicht des Materials, umso größer ist der Effekt. Darüberhinaus kann der Stoff auch noch mehrlagig verarbeitet werden und wird somit schall- und lichtdichter. Und ganz prinzipiell bieten Vorhänge im Veranstaltungsbereich auch noch Sichtschutz und strukturieren den Raum.

 

Verwendungen

 

Im Bühnenbereich wird unterschieden zwischen Dekomolton in leichter Qualität für optische Verkleidungen und dem schweren Bühnenmolton für funktionale Vorhänge. Diese Gewebe finden sich in einem breiten Farbangebot. Molton, welcher mit der Haut in Berührung kommt, ist oftmals ungebleicht und heute häufig aus nachhaltiger Produktion. Sein Einsatz sind Bettunterlagen, wodurch Matratzen geschont werden, oder Tischauflagen, welche die Oberfläche unter der Tischwäsche weicher und dadurch leiser macht. Früher waren auch Bügelunterlagen aus Molton, heute sind diese meist aus hitzebeständigem Synthetikmaterial.

Ursprünglich ist der „Molleton“ aus Frankreich auch in Wolle bekannt. Heute finden sich meist Qualitäten aus Baumwolle, manchmal mit einer Beimischung aus Viskose, oder aus der Polyesterfaser Trevira CS. Besonders für die Verwendung in öffentlichen Räumen ist das Material flammenhemmend ausgerüstet.

 

Das schwerste Schwergewicht

 

Einer fehlt noch in dieser Familienecke und das ist der Kalmuck. Er ist der allerschwerste Kollege und auch ein Sonderfall, weil er gleich beim Weben zwei miteinander verknüpfte Stoffbahnen entstehen läßt. Das Ergebnis ist sogar nahezu winddicht und nähert sich dem Filz – und ist nicht aus dem westlichen Frankreich sondern aus der östlichen Mongolei zu uns gelangt, ein Gruß der Kalmücken.

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