Glossar

Fachkunde: Viskose

Die Veteranin aus der Gründerzeit der Chemiefaserindustrie auf dem Weg in die Zukunft

Viskose Spinndüse

VISKOSE KOMPAKT

FASER
TYPISCH
AUF JEDEN FALL
AUF KEINEN FALL

PFLEGE

halbsynthetisch, Zellstoff (Zellulose)
brillante Farbe, knittert leicht
hautsympatisch, schwerer fließender Fall
wenig reißfest (naß noch weniger),
nicht säurebeständig
Waschen bei 40° mit Feinwaschmittel
Weichspüler vermeiden,
damit die glatten Fasern nicht aus den Nähten reißen
kann schrumpfen beim ersten Waschen!
Trockner vermeiden, wegen mechanischer Belastung!
Bügeln bei mittlerer Temperatur,
glänzenden Stoff von links bügeln

 

Kunstseide Strümpfe

Werbung für Kunstseide von der Firma Bemberg (ca. 1928)

Der Ursprung der Viskose liegt in der Sehnsucht, die Eigenschaften der teuren Faser Seide zu einem günstigeren Preis und in unbegrenzter Menge zur Verfügung zu haben. Chemische Wissenschaftler hatten schon früh erkannt, daß sich Fäden auch künstlich ziehen lassen. Bereits 1845 gab es erste Erfolge bei Experimenten mit Substanzen, welche fadenziehende Eigenschaften besitzen. Dazu wurde Zellstoff in einer Mischung aus Alkohol und Äther zu Zellulosenitrat verflüssigt. Aus diesem Brei ließen sich Fäden ziehen, welche sich beim Ausdünsten des Lösungsmittels wieder verfestigten. Ebenso wie die Seide besitzen solche Fäden aus Zellstoff einen schimmernden Glanz, einen glatten Griff und einen fließenden Fall. So erhielten die Fäden aus dieser Spinnmasse den Namen „Nitratseide“.

Es folgten viele weitere Versuche, den Zellstoff mit anderen Lösungsmitteln zu verflüssigen. Die verschiedenen Mischungen hatten Auswirkungen auf den Faden und das Spinnverfahren. Ein Verfahren aus England, welches zwischen 1892-98 entwickelt wurde, gab der Faser dann einen eigenen Namen. Die Spinnmasse aus Baumwolle und Schwefelkohlenstoff in Natronlauge ergab eine sehr zähflüssige, also viskose Masse. Diese kann durch Düsen gepresst werden, die Fäden gelangen sofort in eine Flüssigkeit. Dieses Spinnbad wäscht die Lösungsmittel aus und das ergibt den festen Viskosefaden.

 

Offen für Faserdesign

 

Viskose Spinnprozess

Herstellungsprozess von Viskose – neben der endlosen Faser werden auch lurze Stapelfasern erzeugt, welche in Mischungen zu Garn versponnen werden.
Bildquelle: http://www.cirfs.org/

Wie alle synthetisch erzeugten Fäden, ist auch die Viskose ein Endlosfaden. Die Form der Düse durch welche die Spinmasse gedrückt wird, hat entscheidenden Anteil an Aussehen und Eigenschaft der Faser. Verschiedene Formen der Düsenöffnungen geben dem Faden eine unterschiedliche Oberfläche, mit mehr oder weniger Griff, matter oder glänzender Lichtreflektion und sogar Kräuselung kann hier entstehen. Die hautsympathische Viskosefaser kann allein durch das Design der Faserform an Baumwolle erinnern oder an Seide oder an Wolle. In jedem Fall hat die Faser eine tolle Farbbrillanz und wird daher oft für Futterstoffe und optisch auffällige Qualitäten verwendet.

Andere Spinnverfahren auf Zellulosebasis erzeugen verwandte Fasern wie Modal, Cupro oder Acetat. Viskose selbst ist auch als „Rayon“ bekannt. Ihr Kürzel auf Etiketten ist „CV“.

 

Einfache Pflege

 

Der Grundstoff Zellulose erfährt bei der Verarbeitung keine chemische Veränderung, darum die Bezeichnung „halbsynthetisch“. Auch nach der Verfestigung liegt wieder Zellulose vor, deshalb „Regenerat“ genannt . Allerdings sind die Molekülketten kürzer als bei Baumwolle, daher sind die künstlichen Zellstoff-Fasern auch wesentlich weniger fest und stabil. Zwar kann die Viskose mehr Wasser aufsaugen, weil sie stärker quillt als Baumwolle. Dafür ist Viskose jedoch im nassen Zustand noch um einiges weniger strapazierfähig. Wie alle Fasern aus Zellstoff besitzt sie nur eine geringe Elastizität, knittert leicht und behält Knitter bis zur Einwirkung von Wärme. Die Pflege von Viskose ist die gleiche wie die Pflege von farbiger Baumwolle, nur der Trockner sollte vermieden werden um die scheuerempfindliche Faser nicht unnötig mechanisch zu belasten.

 

Die Recyclingkomponente

 

Warum ist diese Faser interessant für den Moltonbereich? Es gibt einen besonderen Grund und zwar die Recyclingfähigkeit. Da der verwendete Zellstoff in einer Spinnmasse gelöst wird, kann das Material aus vielen verschiedenen Quellen kommen. Papier und Holz ist ebenso geeignet wie Baumwolle und von allem können auch Reste verwendet werden, die bei anderen Produktionen angefallen sind. Da die Viskosefaser sich gut mit anderen Fasern mischen läßt, steht ihrem Einsatz gemeinsam mit Baumwolle in der Moltonweberei nichts im Wege. Sobald auch die Kreisläufe rund um das Spinnbad in geschlossenen gefilterten Systemen stattfinden, erhöht sich die Umweltbilanz dieser Faser aus nachwachsenden Rohstoffen noch einmal. Aktuell tut sich aus dringendem Anlass viel an Forschung und Entwicklung im Bereich der „green Technology“.

Optisch läßt sich Molton mit Viskoseanteil kaum von reinem Baumwollmolton unterscheiden. Die Qualität „Bühnenmolton M24“ beispielsweise besteht zu 80% aus Baumwolle und zu 20% aus recyceltem Zellstoff. Dieser kleine Anteil an glänzender Faser ist im Endeffekt nicht wahrnehmbar. Auch die flammenhemmende Ausrüstung nach B1 ist ganz normal möglich. Trotzdem unterstützt solches Material die Rohstoffkreisläufe von morgen schon heute.
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